VERTRAUEN | STEFANIE BRACKMANN
Dieses leise Gefühl
von Stimmigkeit.
Wie wir lernen, der eigenen Wahrnehmung und
unserer inneren Richtung zu vertrauen.
Viele meiner Entscheidungen begannen mit einem Gefühl. Nicht mit einer ausgearbeiteten Analyse und auch nicht mit einer Liste aus zwölf überzeugenden Argumenten. Es war eher eine leise Wahrnehmung: Das passt zu mir. Oder ebenso deutlich: Das passt nicht mehr.
Solche inneren Hinweise sind nicht immer leicht zu erklären. Besonders dann, wenn das Umfeld gute Gründe für eine andere Richtung sieht. Von außen wirken vertraute Wege oft sicherer. Menschen sehen, was bereits funktioniert, während wir selbst spüren, dass sich etwas verändert hat.
Der eigenen Wahrnehmung zu vertrauen bedeutet für mich nicht, jede spontane Idee sofort umzusetzen. Manche Ideen dürfen erst einmal eine Nacht schlafen. Einige brauchen mehrere Nächte. Und andere wirken am nächsten Morgen schon deutlich weniger brillant, was gelegentlich durchaus hilfreich ist.
Ein stimmiger Gedanke bleibt jedoch. Er taucht wieder auf, verbindet sich mit weiteren Beobachtungen und gewinnt langsam an Klarheit. Wir merken, dass er mehr ist als eine vorübergehende Laune.
In meinem beruflichen Weg gab es viele solcher Momente. Ich habe Aufgaben übernommen, Projekte entwickelt und neue Bereiche erschlossen, weil sie sich aus meiner bisherigen Arbeit heraus ergeben haben. Häufig konnte ich erst später erklären, warum diese Richtung passend war.
Intuition entsteht nicht im luftleeren Raum. Sie speist sich aus Erfahrungen, Wahrnehmungen und Wissen, das wir über Jahre gesammelt haben. Unser Verstand hat manches längst erfasst, bevor wir es in einen ordentlichen Satz bringen können.
Dennoch fällt es schwer, dieser inneren Stimme zu folgen. Wir möchten niemanden enttäuschen, keine falsche Entscheidung treffen und am liebsten vorher wissen, ob alles gut ausgeht. Diese Garantie gibt es selten. Auch eine sorgfältig geplante Entscheidung bleibt eine Entscheidung mit offenem Ausgang.
Vertrauen wächst, wenn wir uns selbst ernst nehmen. Dazu gehört, aufmerksam zu beobachten: Wie fühlt sich eine Möglichkeit an, wenn die erste Begeisterung vorbei ist? Gibt sie mir Energie? Entsteht innere Weite oder werde ich bereits beim Gedanken daran müde? Handle ich aus Überzeugung oder hauptsächlich aus Pflichtgefühl?
Nicht jede Antwort kommt sofort. Manchmal braucht sie Ruhe. Manchmal ein Gespräch. Und gelegentlich einen Spaziergang, bei dem der Kopf endlich aufhört, dieselben Argumente im Kreis zu schicken.
Die eigene Wahrnehmung ist kein unfehlbares Navigationsgerät. Sie ist eher ein innerer Kompass. Er zeigt eine Richtung, während wir den genauen Weg weiterhin selbst finden müssen.
Doch je öfter wir ihm zuhören, desto besser lernen wir seine Sprache.
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