WANDEL | STEFANIE BRACKMANN
Ich bin noch dieselbe.
Nur anders.
Wie Veränderung uns weiterentwickelt,
ohne dass wir uns selbst dabei verlieren.
Als ich meine Tanzschule eröffnete, war ich Tanzlehrerin und Tanzschulinhaberin. Meine Arbeit war klar umrissen. Ich unterrichtete, organisierte Kurse, plante Veranstaltungen und kümmerte mich um all die Dinge, die in einer Tanzschule anfallen. Und davon gibt es mehr, als Außenstehende vermuten. Sehr viel mehr. Heute umfasst meine Arbeit drei Geschäftsfelder:
Dance & Education, Design & Branding sowie Books & Publishing.
Auf den ersten Blick klingt das nach einer deutlichen Veränderung. Vielleicht sogar nach mehreren beruflichen Leben. Für mich fühlt es sich dennoch wie eine zusammenhängende Entwicklung an. Das Gestalten war schon lange Teil meiner Arbeit. Zunächst entstanden Flyer, Kursprogramme und Magazine für die eigene Tanzschule. Aus praktischer Notwendigkeit wurde mit der Zeit Erfahrung. Aus Erfahrung entwickelte sich eine gestalterische Handschrift. Ähnlich war es mit dem Schreiben und Vermitteln. Aus Unterrichtsinhalten wurden Skripte, aus Skripten Workbooks und schließlich Bücher.
Viele Entwicklungen kündigen sich nicht mit einem großen Schild an, auf dem „Achtung, neuer Lebensabschnitt“ steht. Sie beginnen leise. Wir übernehmen eine neue Aufgabe, vertiefen ein Interesse oder entdecken, dass uns ein bestimmter Teil unserer Arbeit besonders liegt. Erst später erkennen wir, dass daraus etwas Eigenständiges geworden ist.
Veränderung bedeutet deshalb nicht immer, alles Bisherige hinter sich zu lassen. Häufig nehmen wir unsere Erfahrungen mit und setzen sie in einen neuen Zusammenhang. Was wir gelernt haben, verschwindet nicht. Es bekommt eine andere Form.
Natürlich gibt es dabei Phasen, in denen das eigene Bild nicht mehr ganz zur aktuellen Wirklichkeit passt. Wir halten uns an einer Berufsbezeichnung, einer Rolle oder einem früheren Plan fest, obwohl wir längst weitergegangen sind. Vielleicht braucht unsere innere Vorstellung einfach etwas länger, um aufzuholen.
Ich habe gelernt, meine Entwicklung nicht als geraden Weg zu betrachten. Sie gleicht eher einem Geflecht. Tanzen, Unterrichten, Gestalten, Schreiben und Verlegen sind miteinander verbunden. Jeder Bereich hat den nächsten beeinflusst.
Heute bin ich noch immer Tanzlehrerin. Gleichzeitig bin ich Ausbilderin, Designerin, Autorin und Verlegerin. Keine dieser Aufgaben löscht die vorherige aus. Gemeinsam erzählen sie, wie meine Arbeit gewachsen ist.
Wir dürfen uns verändern, ohne uns selbst zu verlieren. Manchmal kommen wir uns dabei sogar näher.
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