AUFBRUCH | STEFANIE BRACKMANN

Manchmal reicht der

erste Schritt.


Warum wir nicht den ganzen Weg kennen müssen,

um den ersten Schritt zu wagen.


Als ich vor 20 Jahren meine Tanzschule eröffnete, hatte ich keinen fertigen Plan für die kommenden Jahrzehnte. Ich wusste nicht, welche Aufgaben später daraus entstehen würden, welche Men-schen mich begleiten und wie sehr sich meine Arbeit verändern würde. Ich wusste nur: Das möchte ich jetzt machen.


Vielleicht beginnen viele wichtige Wege genau so. Es gibt eine Idee, ein Gefühl oder einen Gedanken, der immer wieder auftaucht. Noch ist nicht alles durchgerechnet, ausgearbeitet und abgesichert. Trotz-dem ist da etwas, das uns in Bewegung bringt.


Ich habe in den vergangenen Jahren viele Projekte auf diese Weise begonnen. Manche waren sorgfältig vorbereitet. Andere entstanden, weil sich eine Gelegenheit zeigte und ich dachte: Warum eigentlich nicht? Dieser Satz hat erstaunlich oft gereicht. Natürlich ist „Warum eigentlich nicht?“ kein vollständiger Businessplan. Als erster Schritt ist er jedoch durchaus brauchbar.


Wir wünschen uns häufig Klarheit, bevor wir anfangen. Wir möchten wissen, ob sich der Einsatz lohnt, ob eine Idee funktioniert und wo sie uns hinführt. Das ist verständlich. Nur lässt sich vieles erst erkennen, wenn wir uns damit beschäftigen. Eine Buchidee entwickelt sich beim Schreiben. Ein neues Angebot wird klarer, sobald wir es ausprobieren. Und manchmal merken wir unterwegs, dass die ursprüngliche Richtung gar nicht mehr passt.

Auch das gehört zum Beginnen.


Nicht jede Idee muss zu einem großen Projekt werden. Nicht jeder Versuch braucht ein beeindruckendes Ergebnis. Manche Erfahrungen zeigen uns einfach, was wir können, was wir brauchen oder worauf wir künftig verzichten möchten. Das mag zunächst unspektakulär wirken. Im Rückblick sind genau diese Erkenntnisse oft erstaunlich wertvoll.


Heute weiß ich: Ich muss nicht den gesamten Weg kennen, um loszugehen. Es genügt, den nächsten Schritt zu sehen. Danach zeigt sich der übernächste. Vielleicht führt er geradeaus, vielleicht um eine Ecke und gelegentlich auch zurück zum Schreibtisch, weil die erste Idee doch noch eine kleine Überarbeitung braucht.


Klarheit ist für mich selten am Anfang entstanden. Sie kam durch das Tun, durch Begegnungen, Erfahrungen und manchmal auch durch Fehler.


Wer auf den perfekten Moment wartet, wartet möglicherweise sehr lange. Wer beginnt, hat zumindest die Chance herauszufinden, was daraus werden kann.

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